Sonntag, 27. Februar 2011

Ein Besuch auf dem Markt

Letzten Freitag war ich mit Sarah und Hanna, meinen lieben Freundinnen aus der Schweiz, die sich mittlerweile schon wieder in Argentinien befinden (sie sind ja auf Weltreise) und Jule morgens erst zu einer Bibelstudy in einem christlichen Café hier in Arequipa. Wir hatten am Mittwoch Abend eine Gruppe Amerikaner kennengelernt, die zu einem kurzen Missionseinsatz hier waren. Eine der Frauen (Linda) unterrichtet in den USA seit 40 Jahren junge Frauen in der Bibel und macht solche Biblestudy-Gruppen. Also haben wir vereinbart, uns freitags morgens zu treffen. Wir haben erst einige Lieder zusammen gesungen und dann eine sehr geniale Zeit zusammen und mit der Bibel gehabt und wieder Neues gelernt. Die Gemeinschaft war klasse!
Bibelstudy - Linda, Hanna, Jule, Sarah, ich (v.l.n.r.)

Danach war ich dann mit Sarah und Hanna in dem größten Markt Arequipas - dem San Camilo.
mitten im Markt

Sarah hatte ihr Spiegelreflexkamera dabei, so dass ich nun endlich richtig viele, spannende und gute Fotos habe :)
Da möchte ich euch natürlich dran teilhaben lassen :)

Viel Spaß mit den Fotos!!

Ich freue mich über Mails oder Kommentare :)

Mittwoch, 23. Februar 2011

Wasser - welch hohes Gut...

Wie so oft durfte ich heute erleben, dass einem erst bewusst wird, wie wichtig etwas ist, wenn man es nicht mehr hat.

Als ich heute morgen aufwachte, gab es kein Wasser. Wie ich dann von meiner Gastmama erfahren habe, hatten sie in der gesamten Stadt (!!!) das Wasser abgestellt, da der Fluss, der durch Arequipa fließt und der die ganze Stadt mit Wasser versorgt, durch die wahnsinnigen Regenfälle der letzten Wochen so voll ist und so viel Erde und Steine mit sich reißt, dass diese alle Rohre verstopfen.
Also haben sie kurzerhand das Wasser abgestellt, um die Rohre zu reinigen.

Zum Glück kommt so etwas hier aber nicht selten vor, so dass eigentlich jeder Haushalt große Wasserbehälter hat, die meist voll sind. Gott sei Dank waren unsere fast voll, so dass wir brav Zähneputzen und Katzenwäsche machen konnten :)

Als dann gerade gegen Mittag wieder etwas Wasser kam, habe ich mit Sarah und Hanna, zwei Schweizerinnen, die diese Woche hier bei uns wohnen (sie sind auf Weltreise und im Moment in Peru), zwei großen Zahnputzbechern und einem Messbecher 3 große Behälter (die jeweils um die 50 Liter Fassungsvermögen haben) gefüllt. So ein Spaß :) 
Hier könnt ihr euch das Ganze im Video ansehen.

Ja, dass Leben hier ist doch immer wieder ein Abenteuer....

eine ziemliche Brühe aber immerhin Wasser...für die Klospülung reichts :)

unser Bad mit den Wasserbehältern

Mittwoch, 12. Januar 2011

Was machst du eigentlich im Moment?

Diese Frage wurde mir in der letzten Zeit des Öfteren gestellt.
Also will ich euch nun heute endlich etwas über meine Arbeit hier im ACJ (Asociación Cristiana de Jóvenes del Perú) in Horacio (einem wirklich armen Stadtteil von Arequipa) erzählen.

Bei meinem ersten Besuch war ich direkt begeistert von den neuen Gebäuden auf dem ACJ-Grundstück. Christian und Katja hatten mir immer erzählt, dass es in Horacio unglaublich viel Staub gibt und alles sehr einfach ist. Doch ich sah gelb gestrichene, neu geflieste Gebäude und im Innenhof sogar Gras. Nun war ich aber nicht auf dem falschen Grundstück - es hatte sich in dem einen Jahr, das Cordts in Deutschland waren, nur unglaublich viel getan. So stehen auf dem Grundstück nun 5 Gebäude: Die Strickerei, die Bäckerei, eine große Aula für Gruppenstunden und andere Veranstaltungen, das medizinische Gebäude (mit Behandlungsräumen, einer kleinen Apotheke und dem Büro) und die Wohnung der Hausmeisterfamilie.
Bilder gibts hier: ACJ Horacio

Feste Mitarbeiter gibt es im Moment nicht so viele, da aktuell keine Gesundheitsvorsorge-Projekte laufen. Es gibt Eli, eine Psychologin, Marita, eine Ärztin, Isabel, die Leiterin der Bäckerei und Christian als Berater für Strickerei und Bäckerei. Außerdem natürlich noch Katja, seit letzter Woche zwei Voluntärinnen (Jule und Jana) und mich.

Nun aber zu meinen Aufgaben. Christian und ich hatten ja im Vorfeld schon überlegt, dass ich in der Hauptsache helfen solle, Prozesse für Strickerei und Bäckerei auf den Weg zu bringen und den Frauen (in Strickerei und Bäckerei) den Umgang mit dem Computer zu erklären. Nun stehen aber bisher noch keine Computer für die einzelnen Bereiche zur Verfügung, so dass ich erstmal mit der Erstellung verschiedener Listen (Wochenplan der Arbeiterinnen, Brot-Bestellung ...) begonnen habe.
Alle die, die in ihrem Alltag etwas mit Datenbanken oder deutschen Unternehmensstrukturen zu tun haben, werden nun den Kopf schütteln, wenn ich euch sage, dass ich diese Listen und Abläufe zum Teil in Excel (mit VBA Makros) und zum Teil über eine simple Datenbank nach OpenOffice-Manier realisiere. Aber erstens ist Excel ein Tool, was auch hier bekannt ist und außerdem habe ich selbst nun auch keine großen Kenntnisse über den Aufbau "professionellerer" Datenbanken. Ich denke, für unsere Zwecke hier reicht das völlig aus. Es sollen ja erst einmal Strukturen geschaffen werden.
Außerdem bin ich so etwas wie die rasende Fotografin des ACJ :) Bei allen Veranstaltungen, die wir bisher gemacht haben (2 Weihnachtsfeiern, Plakate kleben, Treffen mit dem Bürgermeister) war ich mit meiner Kamera unverzichtbar :) Naja, ganz so extrem vielleicht auch nicht, aber es ist schon meine Aufgabe, Fotos zu schießen, für Prospekte und Berichte an den ACJ in Lima.
Nun, da die Volis (Jule und Jana) da sind, werde ich wohl auch öfter in den Kinder- und Jugendstunden mithelfen. Bisher war ich ein paar Mal bei der Jugendstunde dabei, habe aber noch keine Gurppenstunde allein gestaltet. Aber mit den Frauen der Strickerei habe ich letzte Woche Freitag meine erste kurze Andacht gehalten :) Gut, es war eine kurze Geschichte auf spanisch, danach noch ein paar Fragen, ein kurzes Gespräch und ein Gebet, aber aufgeregt war ich trotzdem. Die lieben Frauen haben aber fleißig genickt und auch auf meine Fragen reagiert :) also denke ich, dass sie mich verstanden haben :)

In den letzten Wochen habe ich mit Isa (aus der Bäckerei) ein paar Mal Plakate geklebt. Zum dem Programm des ACJ gehört auch, dass immer wieder Kurse angeboten werden. Letzten Sonntag startete ein Kurs zum Thema "Unternehmensgründung". Da hier fast jeder irgendwie selbstständig ist, oder etwas auf der Straße verkauft, ist das wirklich eine gute Sache. Der Kurs ist komplett kostenlos, es gibt nachher ein Zertifikat und die Menschen lernen, was sie für eine wirkliche Selbstständigkeit beachten müssen, wo sie welche Informationen bekommen, welche Formulare usw. ausgefüllt werden müssen...sehr sinnvoll!! Plakate werden hier allerdings nicht mit Klebeband oder Kleister an große Plakatwände geklebt, sondern mit einem Gemisch aus Wasser, Mehl und Zucker an alles geklebt, was irgendwie dazu dient, Informationen bereitzustellen. Isa und ich hatten auf jeden Fall viel Spaß dabei und morgen und übermorgen werden wir wohl noch mal losziehen, da noch freie Plätze im Seminar sind.
Gestern wurden wir auf unserem Weg in die Stadt übrigens von einem netten Herrn in seinem Lastwagen mitgenommen. So konnten wir uns den Preis einer Busfahrt sparen und sind hinten im Laderaum zwischen jeder Menge neuer Matratzen (war ein Matratzenverkäufer) mitgefahren. Fotos hier: Plakate kleben

Vor ein paar Tagen habe ich mich auf dem Weg nach Horacio mal in den falschen Bus gesetzt und näherte mich dem ACJ daher von der anderen Seite. Ich hatte mich in den letzten Wochen schon gewundert, warum Christian und Katja immer meinten, Horacio sei so arm. Der Teil, den ich auf meiner Busroute immer gesehen hatte, unterschied sich nicht all zu sehr von vielem anderen, was ich hier in Arequipa bisher gesehen habe. Geteerte Straßen, OK - die Häuser sind zum Großteil kaputt und unendlich staubig ist es auch. Aber auf diese Busfahrt lernte ich dann das wirkliche Horacio kennen - hier gibt es nur Schotterpisten, Staub, Staub und noch mehr Staub, fast keine Geschäfte, sehr, sehr einfache Häuser und die Nebenstraßen sind alle mit tiefen Furchen durchzogen, weil sie gerade dabei sind, die Kanalisation einzurichten. Das heißt, bis jetzt gibt es verschiedene Stellen in Horacio, wo die vorher in Eimern aufgefangenen Toilettenreste gesammelt und ab und zu (wohl nicht immer regelmäßig) geleert werden. Das sind Zustände die ich mir irgendwie (auch nach 3 Monaten hier) nur schwer vorstellen kann. Aber es ist gut, das mal (zumindest aus dem Buch) zu sehen, um sich ein bisschen besser vorstellen zu können, wie das Leben der Menschen hier aussieht. Noch mehr Fotos: Umgebung

Eigentlich wollte ich euch noch von unserer Weihnachtsfeier berichten und erzählen, warum ich vor Weihnachten in einer Woche mehr als 500 Kekse gebacken habe, aber das mache ich im nächsten Eintrag. Dieser hier ist schon wieder viel länger geworden, als er sollte...
Ich hoffe, dass ihr euch nun besser vorstellen könnt, was ich hier mache.
Neben der Arbeit in Horacio gebe ich auch immer noch Deutsch-Nachhilfe und gehe regelmäßig mit anderen Missionaren am Wochenende in ein Kinderheim. Darüber will ich auch schon lange berichten. Außerdem fehlt noch Weihnachten und Silvester bei 30 Grad :) Ihr merkt also, ich habe einiges auf meiner Liste, was ich euch erzählen will :) Freut euch also auf die nächsten Einträge.

Ich freue mich, dass ihr alle so fleißig lest, was ich erlebe, was mich bewegt und mir so viele Rückmeldungen gebt. Das dürft ihr gern beibehalten :) auch wenn ich es leider nicht schaffe, so schnell zu antworten, wie ich das gerne würde...Ich hoffe, ihr nehmt mir das nicht übel.

Liebe Grüße und ich hoffe, ihr alle hattet einen guten Start in ein gesegnetes, aufregendes, herausforderndes neues Jahr 2011.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Weihnachtsfeier in der Sprachschule

Letzten Freitag hatten wir eine Weihnachtsfeier in der Sprachschule und ich war auch eingeladen!
Weihnachtsdekoration in der Sprachschule
Die Lehrer haben für das Mittagessen (typisch arequipenisch, Hühnchen mit verschiedensten Salaten) gesorgt und wir Schüler sollten einen typischen Nachtisch aus unserem Heimatland mitbringen.
Außerdem hat jeder von den Traditionen in seinem Land und seiner Familie erzählt. Das war total interessant und richtig witzig :)
Die Gemeinschaft war toll, das Essen lecker und spanische Weihnachtslieder haben wir auch gesungen.
Pedro (Sprachschul-Leiter und Pastor) kann auch noch Gitarre spielen...
hier ein Liedtext
alle haben kräftig mitgesungen
Das Beste aber war, dass ich da endlich angefangen habe, mich wirklich auf Weihnachten zu freuen! Auf die Chance, die ich habe - hier so viel Neues zu entdecken und Einmaliges zu erfahren. Mir ist richtig bewusst geworden, dass ich nicht die Einzige bin, die hier allein ist und ihre Familie vermisst.
Auch die, die als Ehepaar hier sind, vermissen ihre Familie. Und ich habe die Aussicht, das nächste Weihnachten wieder mit meinen Lieben zu verbringen! Aber was ist mit Ihnen? Sie bleiben zum Teil für Jahre oder sogar für immer hier in Peru und müssen anfangen, sich neue Traditionen zu schaffen.

Diese Party hat mir also insgesamt die Augen geöffnet :)

Hier kommen noch ein paar visuelle Eindrücke vom Essen.
Das Hauptgericht *lecker*
Schokolade aus Norwegen *mhmmm*
Trifel aus Irland *spannend*
es war Jonnys erster Versuch eines Trifels...
er war dementsprechend skeptisch, ob er schmeckt ;)
Fudge aus den USA *delicious*
Kekse aus Deutschland *selbstgebacken*

Mini-Adventskränze aus Cornflakes und
geschmolzenen Marshmallows auch aus den USA *süüüß*
Mince-Pie aus England *unglaublich*
natürlich gab es auch Inca-Kola :) schmeckt genauso chemisch,
wie sie aussieht...aber man gewöhnt sich dran!
außerdem wurde alles von diversen Kameras festgehalten :)
Extra für diese Party hatte Steve in stundenlanger Arbeit eine PPT-Präsentation angefertigt. Ich hab daraus ein Video gemacht, was ihr euch nun anschauen könnt. In dem Video seht ihr fast alle Missionare und Voluntäre, die ich in meiner Zeit hier bisher kennengelernt hab und ihren "Einsatzort". Alle Fotos (auch die Landschaftsaufnahmen) sind hier aus Peru. Also könnt ihr einen guten Einblick bekommen :) Viel Spaß beim Ansehen.


Samstag, 4. Dezember 2010

Weihnachtsfreude? Woher nehmen...

Die letzten Tage waren nicht einfach für mich. Ich war krank, fühlte mich total einsam und wusste nicht, wie ich mich hier bei ca. 30 Grad auf Weihnachten einlassen soll.
Kurzum: Ich hab wirkliches Heimweh bekommen!

Aber dann kam meine "peruanische Familie" ins Spiel.
Seit Tagen wurde hier im ganzen Haus geputzt, die Möbel poliert und in der letzten Ecke der letzte Rest Staub entsorgt.
Und gestern kam dann der Höhepunkt: Eine Weihnachtsdekorations-Party. So haben wir alle zusammen einen (künstlichen) Weihnachtsbaum aufgestellt, alle mögliche Deko im Haus verteilt, Weihnachtsmusik gehört und richtig viel Spaß gehabt. (hier der Link zu ein paar Fotos - aber bitte auch den Artikel zu Ende lesen :) )

Wie geht es mir nun? Fühle ich Weihnachten? Vermisse ich mein zu Hause und alle mir lieben Bräuche und Gewohnheiten weniger? NEIN, definitiv nicht. Aber ich versuche, diese Situation als Chance zu sehen. Als Chance, mich auf Neues einzulassen und meinen Horizont zu erweitern. So, wie ich mir das für die Zeit hier gewünscht habe.

Gestern Abend haben wir zum Abschluss einen echt guten Film geschaut. "Es begab sich aber zu der Zeit..." - ja richtig, einen Film über die Geschehnisse vor 2000 Jahren, als unser großer allmächtiger Gott, der so voller Liebe ist, entschied, seinen Sohn auf diese Erde zu seinen Geschöpfen zu schicken, um ihnen Vergebung, Liebe und Hoffnung zu schenken. Das hat mich weihnachtlich berührt!
Auch, wenn ich natürlich auch schon vorher wusste, dass es bei Weihnachten nicht um Schnee, Nachmittage vor dem Kamin, Geschenke, Adventskalender und Weihnachtsmärkte geht, habe ich erst gestern Abend ein wenig mehr begriffen, WIE der Grund für dieses Fest abgelaufen ist und WAS es bedeutet.

Nun sitze ich hier, neben dem schön beleuchteten Weihnachtsbaum, freue mich an den Kerzen und bitte Gott, dass ich immer mehr begreifen darf, was für ein Geschenk Weihnachten ist. Ich habe da noch eine Menge zu lernen und ohne Frage werden die kommenden Wochen nicht einfach, aber ich weiß, dass ich hier eine einmalige Chance habe, die Gott mir ermöglicht hat und ich bin unglaublich dankbar, wie er für mich sorgt, mich meine Wünsche infrage stellen lässt und mir zeigt, dass auch hier, am anderen Ende der Welt, sein Weihnachtswunder real ist!

Ich wünsche euch eine gesegnete Adventszeit und dass ihr wieder, oder vielleicht zum ersten Mal, darüber nachdenkt, warum wir Weihnachten feiern.

Sonntag, 28. November 2010

River-Rafting im Rio Chili

Endlich kommt wieder ein Eintrag von mir.

Am 6.11., einem Samstag, haben ich mich gewagt mit 6 Freunden River-Rafting zu machen. Es gibt hier in Arequipa unzählige Touristen-fang-Reisebüros-und-Agenturen, die alle möglichen Freizeitaktivitäten und Touren anbieten. So auch diese zum Rio Chili.

Wir fuhren also morgens um 8 Uhr los und kamen nach einer guten halben Stunde am Ende der Straße an :)
wunderschöner Blick den Fluss runter
Nun ging die große Umkleideaktion los. Zum Glück stellte die Agentur ALLES: Neoprenanzüge, Regenhosen und Jacken, Schwimmwesten, Schuhe, Helme und sogar Paddel und Boote ;).
4 Grazien unter sich
gar nicht so einfach alle Ausgänge zu finden ;)
da lauschen wir brav den Sicherheitsanweisungen...
Nach dem die wirklich witzigen und zum Glück sehr vertrauenswürdigen Guides uns mit den Sicherheitsvorschriften vertraut gemacht haben (inkl. Trockenübungen, wie man wieder ins Boot kommt - muss zugeben, da wurde mir etwas mulmig...) ging es los.
Wir waren mit 7 Leuten zu viele für ein Boot und haben daher 2 gefüllt. Haben ein deutsches und ein englisches Boot gemacht, da es einfacher ist,  Schreckens- und Begeisterungsschreie in der Muttersprache auszutauschen :)
Ich war also mit Rahel, Prisca (einer Deutschen auf der Durchreise, die vor einige Jahren mal ein Jahr hier in Arequipa war) und zwei Guides in einem Boot. Zwei Guides nicht, weil wir so hilflos aussahen, sondern einfach, weil wir 4 Leute zum Paddeln brauchten. Denn der Guide sitzt hinten mittig und lenkt (teilweise auf sehr abenteuerliche Art und Weise - werdet ihr auf einem späteren Foto noch sehen). Prisca und ich wurden nach vorn gesetzt und los gings.
ich sitze von euch aus gesehen vorn rechts - seht ihr mein Grinsen?
Die Tour hat richtig viel Spaß gemacht! Es ging eine gute Stunde den Fluss abwärts. Zwischendrin waren unterschiedlich schwierige Stromschnellen, aber alle waren, auch für uns Anfänger, gut zu meistern.
OK, hier hab ich etwas das Gleichgewicht verloren - bin aber zum Glück in Richtung Bootsmitte gefallen....
diese Männer haben die zwei Stäbe tatsächlich als Brücke benutzt - einen für die Füße und einen für die Hände und dann im Vierfüßlerstand quer über die bestimmt 3-4 m tiefe "Schlucht
ich bin sehr froh, dass wir unterwegs nicht unseren Guide verloren haben...
gemeinsame Pause mit Schokoriegeln :)
Während der Tour gab es natürlich auch einige lustige Begebenheiten. So sind wir zum Beispiel an einer Stelle mit unserem Boot auf einem Felsen hängen geblieben. Genau wie die Arche - mitten drauf. Es bedurfte ein wenig Schaukeln und ein paar Minuten später ging es weiter.
An einer Stelle hat der Guide dann unser blindes Vertrauen getestet, indem er das Boot entgegen der Flussrichtung gedreht hat und uns das Kommando gab zu paddeln...natürlich haben wir das gemacht und haben uns prompt vorwärts in den kleinen Wasserfall gefahren, den wir kurz zuvor hinuntergefahren sind...Kopfüber im Wasserfall - zumindest Prisca und ich - was für ein Spaß!
Außerdem gab es noch einen netten Sprachverirrer meinerseits :) An einer Stelle meinte unser Guide, dass wir hier Gold suchen könnten. Daraufhin meinte ich: "Oh, ich habe was gefunden, ich bin reich." Das wollte ich zumindest sagen...meine spanischen Worte "Yo estoy rica" führten dann auch spontan zu Lachanfällen bei den beiden Guides...frei übersetzt bedeutet das nämlich so viel wie "Ich bin sexy"...Richtig wäre gewesen "Yo soy rica".
Ab da waren wir das Sexy-Boot und haben so noch für einige Lacher gesorgt :)

Am Ende der Tour sind wir dann noch ins Wasser gehüpft, denn nass waren wir eh schon von Kopf bis Fuß.
gar nicht mal so warm :) aber Rio Chili ist Quechua und heißt "kalt"
Die Umkleidekabine, um aus all den nassen Sachen wieder herauszukommen, bestand dann aus einem an einem Paddel aufgestellten Boot mitten auf einer Wiese nicht weit von einem Kuhhirten und seinen Tieren entfernt...sehr ursprünglich und sehr sehr lustig :) Aber wahrscheinlich sieht er sowas öfter.
Also noch ein Guppenbild, fix die tolle Aussicht über das Tal des Rio Chili fotografiert und wieder ab nach Haus.
Gruppenbild vor den majestätischen Bergen mit Guides - leider auch mit einer fremden Frau, die sich nach ihrem Rafting-Trip gerade umgezogen hat. Aber sie hat es locker genommen :)
der (aktive) Vulkan Misti und das Tal des Rios (nur dort ist es hier grün)
Damit ihr euch SO RICHTIG vorstellen könnt, wie es war, kommt hier auch noch ein Video von uns in dem größten Wasserfall, den wir überwunden haben. Die Schreie sind selbstverständlich nur Freudenschreie ;)
Rafting-Video auf youtube.com

Mittwoch, 3. November 2010

Allerheiligen und der 2.11. - ein großes Erlebnis

Gestern, am 2.11., haben wir mit der ganzen Schule (rund 15 Schüler und 10 Lehrer) einen Ausflug gemacht. Wir haben 3 sehr unterschiedliche Friedhöfe Arequipas besucht und dort eine Menge über die hiesige Kultur gelernt.

Ihr müsst wissen, dass Allerheiligen hier ein wirklich besonderer Feiertag ist. Vor den Friedhöfen sind straßenweise Pavillons aufgebaut in denen Verkäufer ihre Papierblumen-Gestecke oder echte Sträuße anpreisen, Hüpfburgen für die Kinder aufgebaut sind und jede Menge Essensstände leckere Gerüche verströmen.
Außerdem glauben die Menschen hier, dass sich am 1.11. mittags die Himmel öffnen und die Seelen der Verstorbenen in ihre Häuser zurückkehren und dort einen Tag mit ihrer Familie verbringen. Aus diesem Grund bereiten die Menschen das Lieblingsessen (Brot, Früchte, Getränke, Süßigkeiten, aber auch Tellergerichte) der Verstorbenen vor und bauen es zu Hause auf einem Tisch mit dem Foto des Verstorbenen auf. Hier wird dann am 1.11. zusammengesessen und Erinnerungen über die verstorbene Person ausgetauscht.
Am 2.11. dann wird all das Essen zusammen gepackt und zum Friedhof gebracht, wo es auf dem Grad erneut aufgebaut wird. Dann sitzt die Familie den Tag über dort zusammen und isst und trinkt und feiert. Leckereien werden zwischen den Familien ausgetauscht und der Brauch will es, dass nichts von diesem Essen wieder mit nach Haus genommen werden darf. Ich denke, am Ende freuen sich wohl die vielen wilden Hunde über die Reste...
Erlaubt war diese Tradition allerdings nur auf dem 2. Friedhof (dem der nativen Einwohner Perus in den Bergen in einem nördlichen Teil von Arequipa. Viele Einwohner hier kommen aus den Bergregionen Perus und haben daher Inka-Vorfahren)- auf den anderen beiden war es wegen des Drecks verboten.
Nach 24 Stunden auf der Erde kehren die Seelen der Verstorbenen nach dem Glauben der Menschen hier am 2.11. mittags wieder zurück in den Himmel.

Dann möchte ich noch etwas über den Señor de los Milagros und die dementsprechende Brüderschaft erzählen. Die Menschen, die dieser Brüderschaft angehören tragen den gesamten Oktober über eine bestimmte Kluft. Die Frauen lila-farbende Kleider mit einer weißen Kordel als Gürtel und die Männer lila-farbene Gewänder und eine dicke weiße Kordel (ca. 3 cm Durchmesser) um den Hals. Diese Menschen tuen dies, weil sie "Deals" mit Gott (oder dem Señor de los Milagros - ich weiß es leider nicht genau) abgeschlossen haben. Ungefähr so: "Ich trage den gesamten Oktober diese Kluft, und du heilst meinen Onkel von Krebs oder schenkst mir ein größeres Haus." Manche dieser Anhänger tragen sogar das ganze Jahr über die lila-farbene Kluft - ja nachdem wie groß der Wunsch ist, den sie haben.

All dies zu sehen, war sehr skurril. Es war so anders - so überwältigend. Aber auch unglaublich erschreckend, wenn man bedenkt, dass diese Menschen das alles wirklich glauben! Dass Menschen glauben, sie könnten jemanden aus dem Fegefeuer befreien, wenn sie nur genug Ave Maria beten oder aber, dass sie selbst nur in den Himmel kommen, wenn sie jede Tradition perfekt erfüllen. Ist das nicht schrecklich? All diese Menschen wissen nichts von der unendlich großen Liebe, die GOTT für jeden von uns hat und die er uns einfach so - ohne Gegenleistung aus guten Taten - schenken will. Alles was wir tun müssen ist, ihn und seinen Tod am Kreuz für unsere Sünden anzuerkennen und dankbar anzunehmen.

Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht.
(Johannes 3,16 - die Bibel)


Hier kommt der Link zu den Bildern vom Ausflug am 2.11. 
Denkt mal drüber nach, was ihr glaubt, was nach dem Tod mit euch geschieht....